Was, wenn das Motto einer politischen Demonstration darin besteht, sich keinem behördlichen Reglement unterwerfen zu wollen?
Seit 24 Jahren wird der Autonome Erste Mai in Wuppertal aus Prinzip nicht behördlich angemeldet. Denn für eine politische Meinungsäußerung soll niemand eine behördliche Genehmigung einholen müssen. (Eine Ansicht, die aus dem politischen Standpunkt heraus begründet ist)
„Revolution in Deutschland? Das wird nie etwas, wenn diese Deutschen einen Bahnhof stürmen wollen, kaufen die sich noch eine Bahnsteigkarte!“ (Lenin)
Es hat durchaus einen Spaß-Effekt, wenn Polizei und Bergische Presse jedes Jahr darauf beharren, daß dem traditionellen autonomen 1. Mai-Umzug die ordentliche “Anmeldung” als Demo fehle.
Jeder weiß, was am 1. Mai in Wuppertal Elberfeld geschehen wird. Und alle sind immer gut darauf vorbereitet. (Wie in jedem Jahr gab es auch diesmal besonders gestaltete Plakate im Vorfeld.) - Das Autonome Maifest auf dem Schusterplatz Ölberg hat Tradition, genauso wie der Umzug durch die Nordstadt mit Startpunkt Autonomes-Zentrum an der Gathe. - So what? - Glaubt ihr, die Leute machen dabei ihr eigenes Stadtviertel kaputt? - Absurd.
‘Reclaim the Streets’ - Der öffentliche Raum wird demokratisch belegt.
Autonom heißt eben autonom=selbstgesetzlich - Man muß es nicht mögen, aber man darf dafür demonstrieren und kann darüber reden.
Noch bis Mitte der 90er hat eine einfache Hundertschaft als obligatorische Begleitung des Demonstrationsumzugs ausgereicht. - Warum die Polizei in den letzten Jahren derart aufgerüstet hat, ist mir unverständlich.
Pressemitteilung der Autonomen:
http://4woche.blogsport.de/2010/05/02/pm-zum-autonomen-1-mai-in-wuppertal/
Nicht über die Wupper gehen…
Recht auf Stadt und Straßen !
Recht auf ein würdiges Leben für alle !(B. Lamp)
Pressemitteilung der Polizei:
http://www.presseportal.de/polizeipresse/pm/11811/1606032/polizei_wuppertal
Meine Fotos und Bericht von gestern:
http://oelbergisch.de/2010/05/der-kessel-von-wuppertal/
Nochmal deutlich gesagt: Der traditionelle Mai-Umzug der Autonomen ist berechtigt und tut niemandem weh. - Im Gegenteil, mir als Bürger dieser Stadt würde etwas fehlen! Ich finde es für unsere Demokratie überaus wichtig, daß es hierzulande möglich ist, im Sinne des Zivilen Ungehorsams zu agieren. - Die Abschlußveranstaltung als Volxfest auf dem Schusterplatz ist immer entspannt, mit großem Hallo! und vielen Diskussionen.

Besonderen Dank von mir auch an die Landtagskandidatin der Partei Die Linke, Frau Gunhild Böth, die sich spontan als Vermittlerin und Beobachterin beim ”Wuppertaler Kessel” angeboten hat. - Da hatte ich erstmals das Gefühl, daß eine Politikerin zur rechten Zeit am rechten Ort ihre Aufgabe erfüllt.

(P.S.: Gestern war auch erstmals ein Polizei-Hubschrauber dabei, der flog den ganzen Nachmittag über dem Ölberg und war einfach nur noch nervig.)