Monthly Archive for Juni, 2009

Jetzt ist auch Pina Bausch verschwunden.

Als ich Anfang dieses Jahres das mit Gerd hörte, da wußte ich daß 2009 das Jahr des Todes wird. - Die alte Künstlergarde stiehlt sich davon, weil sie weiß, daß ein Systemwechsel ansteht. Das Staffel wurde weitergegeben.

Mit Gerd wollte ich noch Theater machen, das war abgesprochen. Mit Ann-Katrin (Texterin/Grafikerin) habe ich mich beim Kunst-Cluster letztes Jahr erst gestritten und danach angenehmen Chill-Out zusammen gemacht. Sie mußte sich kürzlich selber aus dem Leben nehmen. Als endlich der Tod von Andreas (Maler, Grafiker, Lehrer, Galerist) gemeldet wurde, war ich tiefgetroffen - obwohl sein Break schon vor drei bis vier Jahren war und er sich seitdem totgesoffen hat.

Michael Jackson ist natürlich ein anderes Kaliber. Trotzdem berührt es mich, denn Billy Jean ist ein geniales Lied.

Als vor zwei Jahren Juri Adaev in Moskau starb, hat mir das seine Ex-Frau berichtet. - Von dem habe ich viel gelernt, meiomei. (Direkter Lehrer im Atelier Oberbarmen)

Nun hat sich die Pina also auch für einen Abgang entschieden. Ihr Theater war ein begleiter für mein Leben hier. - Berührende Kunst, immer wieder. Leider kann ich nicht oft ins Theater gehen, das letzte Stück erlebte ich vor zwei Jahren. (Pina Bausch in Indien vor zwei Jahren in Wuppertal.)

Ist schon interessant wie so eine Künstlerin ein Leben begleitet. Alle paar Jahre habe ich ein neues Stück von ihr hier vor Ort gesehen. - Mit Freunden zusammen, und man redet darüber und es gibt Bilder die bleiben. - Besonders schön finde ich vor allem die Befruchtung dieser Stadt mit Tanz. Da wäre ich alleine nie drauf gekommen. - Die Tänzer trifft man hier normal in der Stadt und einige davon experimentieren hier in den Hinterhöfen an Soloprojekten.

Das erinnert mich auch an Peter Kowald, damals studierte ich Philosphie und malte nur. - Jemand erzählte mir von Kowalds Ort und das wars für mich. Damit lernte ich Jazz und Improvisation und Session kennen und schätzen - auch mir als bildender Künstler hat Kowald Impulse gegeben. - Kunst geschieht im Augenblick, das habe ich in Wuppertal immer wieder vor Ort erlebt.

Danke euch allen.

Ein Brief an Wuppertal

von Rainer Grassmuck

Wuppertal — was ist los? Taumelst seit Jahrzehnten unkontrolliert durch die Städtelandschaft des Bergischen Landes. Bekommst nichts mehr richtig auf die Reihe, deine Bevölkerung kehrt dir langsam aber stetig den Rücken.
So stirbst du.

Hast du dich wirklich aufgegeben?


Installation 100 Jahre Wuppertal

Es gibt nichts zu Beschönigen, weder für die Gegenwart noch für die Zukunft. Projekte ohne Gesamtkonzept, Tropfen auf einen verdammt heißen Stein. Hier eine Aktion, da eine Idee — planloses Durcheinander ohne soziale und städtebauliche Strukturen.

Mit höchstdüsseldorfer Segen wird hochverschuldet das nächste Großprojekt angegangen. Der Umbau Döppersberg ist notwendig, keine Frage, aber zu diesem Zeitpunkt bestimmt nicht. Wem nutzt ein sauber gestaltetes innerstädtisches Portal, wenn einem ringsum Konzeptlosigkeit begegnet. Wuppertal, kannst du rechnen? 230 Millionen Euro soll der Umbau kosten, davon 130 Millionen Euro private Investitionen, die noch nicht vorhanden sind? Wer investiert diesen Betrag in eine Stadt, die zurzeit ein eklatantes Negativimage hat?

Du hast in den vergangenen 45 Jahren 70.000 Einwohner verloren. Darauf müsstest du mit kontrolliertem, qualitativ hochwertigem Rückbau reagieren um diese Tendenz zu stoppen. Lass uns dich lebenswerter gestalten, dass es wieder eine Freude ist, hier zu leben, hier leben zu wollen. 100 Millionen Euro öffentliche Gelder statt für den Umbau Döppersberg für eine nachhaltige Stadtgestaltung, für soziales Engagement. Stadtteilprojekte müssen die Stadt wieder zum Blühen bringen, die Schwebebahnstrecke muss attraktiv gestaltet werden. Du hast ein unerschöpfliches kulturelles Potential, nutze es.

Wuppertal steigt als Phoenix aus der Asche? Schwer vorstellbar, solange nicht kompetente Menschen sich dem Schicksal dieser Stadt bemächtigen und einen Weg für ein lebenswertes Wuppertal der Zukunft suchen und finden werden. Weg mit den düsteren Aussichten bei fortschreitender Konzeptlosigkeit, her mit den Wegbereitern für neue Ideen, und - nebenbei bemerkt - hochwertige Stadtgestaltung hat nichts mit Parteienideologie zu tun.

Wuppertal, du lohnst sich!

Rainer Grassmuck - Kunstfluss Wupper

Baufällige Brücke?

Krasse Geschichte: Wegen Einsturzgefahr mußte eine Wupperbrücke am Samstag-Abend auch wegen Überfüllung geräumt werden.

Gegen 21:00 Uhr wurde zunächst mit Security-Personal, dann unter Polizeieinsatz die Fußgängerbrücke an der Ohligsmühle geräumt. Angeblich sollten die darauf befindlichen Bürger die Brücke zum Einsturz bringen können. Eine Sicherheitsmaßnahme auf Weisung aus dem Rathaus, wie ein Polizeibeamter mitteilte.

Welche Brücke ist eigentlich gemeint? - Eine reine Fußgängerbrücke im dem Bereich wäre der Bismarksteg. Gemeint ist die Straßenbrücke über die B7 Richtung Stadthalle.

Wie baufällig ist diese Stadt eigentlich? Die Fußgängerbrücke wurde einfach wegen Überfüllung gesperrt, was gut und richtig war. - Am Dienstag findet der erste Spatenstich für eine Millionenbaustelle statt.

Ich will so bleiben wie ich bin

Puh, was für eine Feier. Eine Menge und Intensität mit Kunst, Dialog, Party und positivem Gefühl - sowas ist andernorts auf drei Jahre verteilt, hier geschieht es in einer Nacht. Soviel gibt es zu Berichten, was ich auch persönlich den Leuten, die ich traf, erzählt habe. - Heute war auch der Kunstmarkt, welcher ein schönes Chill-Out darbot. Also erst mich ausruhen, bevor ich hier etwas erzähle.

Nur soviel: Meine Installation am Else-Lasker-Schüler-Denkmal war heute abend noch da! - Ich habe vier Uhr morgens zum Ende der Party das Protestband “Wuppertal wehrt sich” um den einen Block des Denkmals der großen Dichterin gewickelt, und die Straßenreinigung hat es so belassen! (Sehr schön, danke in diese Richtung) - Selbst die Straßenkehrer verstehen die Message! Mal sehen obs morgen auch noch so hängt. Update am Montag: Ja! Dienstag nachmittag nicht mehr. Immerhin fas zwei Tage.

So, nun zur Überschrift: Michael Jackson findet sich OK, genauso, wie er ist und war. - Ein großartiger Künstler, Musiker und Tänzer ist dahingeschieden.

Roberta Flack und Michael Jackson 1974 “Free to be myself”

Videolink

Bleib so wie Du bist, du bist du selber und deswegen mögen wir dich!

Zum Langen Tisch malen alle ein Bild

So, morgen steigt die Stadtparty. Einmalig in Deutschland: Alle fünf Jahre tanzt im Tal der Bär, jetzt zum 80jährigen Stadtgeburtstag - und die Wuppertaler können feiern, aber hallo! Der Lange Tisch, das sind 13km Party von 19:00 Uhr bis 4 Uhr morgens, inclusive Schwebebahn, diese bringt euch die ganze Nacht im Minutentakt von Ort zu Ort, von Bühne zu Bühne, von Event zu Event.

Wo seid Ihr beim Langen Tisch? - Mich findet Ihr ab 15:00 vor dem Von der Heydt-Museum. (Turmhof 8, Elberfeld) Dort präsentiere ich auch zwei neue Gemälde, dann kann ich sagen, ich habe vor dem Von der Heydth-Museum ausgestellt ;)

Außerdem dürfen alle Besucher an einem großen Gemälde mitmalen. Kommt vorbei und verewigt euch mit einem Pinselstrich (oder mehr).

Wir präsentieren unseren freien Kunstverein Rakete e. V. - es gibt Kunst, Kultur, Gespräche, Getränke, Musik und äktschen. - Wir dürfen ab 15 Uhr aufbauen, und das tun wir auch, denn in der Fußgängerzone macht das Sinn.

Programm als PDF - Oder klickt euch hier online durch den Plan.

Ihr Leute von aussen dürft gerne anreisen, denn morgen abend gibt es hier alles, sowas habt Ihr noch nicht erlebt. :)

Demo mit Rüttgers

Wuppertal wehrt sich gegen falsche Sparpolitik: Aufruf zur Demonstration am 30.6. um 9:30 auf dem Bahnhofsvorplatz:

Das Aktionsbündnis hat beschlossen, den Besuch von Herrn Ministerpräsident Rüttgers anlässlich der Grundsteinlegung Döppersberg zu nutzen, um Herrn Rüttgers unseren Protest gegen die Sparpolitik des Landes deutlich zu machen.

Wir treffen uns am 30.06.2009 ab 9.30 Uhr am Rolltreppenaufgang gegenüber dem Bahnhofsvorplatz und wollen deutlich machen, dass ein Umbau des Döppersberg allein Wuppertal nicht retten kann. Wir protestieren nicht für oder gegen den Umbau des Döppersberg. Wir fordern
• eine gerechte Gemeindefinanzierung,
• die Verteilung von Fördermitteln nach Bedürftigkeit und nicht nach Himmelsrichtungen,
• für die Menschen in der Stadt gleiche Lebenschancen wie für die Bürger und Bürgerinnen reicher Kommunen.
Deshalb beteiligen Sie sich an der Demonstration – es geht um die Zukunftschancen unserer Stadt!

Unsere Proteste richten sich gegen das Land und gegen den Bund, die mit Ihrer Gemeindefinanzierungspolitik Städten wie Wuppertal das Leben unendlich schwer machen.

Infoblatt zur Klarstellung.

Anmerkung: Persönlich habe ich ja die Befürchtung, daß der Umbau des zentralen Döppersbergs in Elberfeld eine architektonische und städteplanerische Fehlleistung wird, wie alle anderen Neubauprojekte der letzten Jahre auch…

Etwas politische Kunst

Diese künstlerische Aussage ist hochaktuell:

Faschismus IV - Andreas Junge - Gemälde

Andreas Junge (1959 - 2009) - Farbe auf Leinwand, etwa 2×3m, mitte 90er Jahre.

Künstlertot

Mein künstlerischer Lehrer und Mentor ist letzten Montag gestorben.

Andreas Junge *1959 - †2009
Ruhe in Frieden.

Ein großartiger Maler und Grafiker, der sehr sehr viel für die bildende Kunst in Wuppertal getan hat. Er war ein herzensguter Wegbereiter unserer heutigen lebendingen Kunstszene. Der Von-der-Heytd-Preisträger hat die junge Kunst im Tal gefördert wie kaum ein Zweiter … - sorry Leute, ich muß mal gerade meditieren gehen …

Künstlerstammtisch

Aus der Rundmail:

am kommenden Sonntag (7.6.09) ist wieder Stammtisch. Als Ort würde ich, falls das Wetter toll wird, Caribe Biergarten vorschlagen, sonst wie gewohnt im Hayat. - Wenn ich keine Protestnoten im Hinblick auf die noch-nicht-Festlegung bekomme, melde ich mich am Freitag nach der Wettershow dazu.

Unsere Christiane schafft es immer verläßlich, obige Rundmail durchzuschicken!

Die Nordstadtkünstler treffen sich regelmäßig zum Austausch und zur Planung neuer gemeinsamer Projekte.

Vorankündigung: Wuppertal im Global Village

Nicht umsonst hat Peter Kowald (1944-2002) seine Formation damals Global Village genannt. Er hat, wie viele andere, Wuppertal zum Weltzentrum neuer gelebter Musik und Kunst gemacht. Im Ort stellen aus und spielen nachwievor hochkarätige internationale Künstler.

Eben flatterten zwei Konzertankündigungen rein:
Samo - Sufi-Musik aus Tadschikistan - Sufis sind die Mystiker der moslemischen Tradition. Das Konzert dürft ihr umsonst am 18. Juni im Lutherstift erleben!
Wuppertaler Improvisationsorchester am 7. Juni im Ada!

Unter dem Titel “WIO – Ein Orchester dirigiert sich selbst” wurde das Orchester in Zusammenarbeit mit der Peter Kowald Gesellschaft im August 2007 gegründet. Das Ensemble orientiert sich an der vom “London Improvisers Orchestra” praktizierten Arbeitsweise der „Conductions”.

Am Sonntag den 7. Juni steht das Orchester unter Leitung von Steve Beresford (London) - eine der legendären Größen der englischen Improvisationsgeschichte.

Kleinkunst könnt ihr bei euch in der Stadt vielleicht auch erleben: Schaut nach den kleinen Events, Konzerten oder Ausstellungen in eurer Nachbarschaft: Da sind oft hochkarätige Veranstaltungen.

P.S.: Die sog. “Conductions” hat Zappa seit 66 konsequent durchgeführt.